Reisebericht Elchjagd 2005
Anreise
Endlich ist es soweit - zweites Wochenende im Oktober. Wir wollen nach Finnland zur Elchjagd.Nach einer Stunde Autofahrt sind wir auf dem Fludhafen Frankfurt/Hahn angekommen. Mit Ryanair-Flug FR 1922 erreichen wir in 2,5 Stunden Tampere.
Tipp: Die Billigflieger von Ryanair sind zwar unschlagbar günstig ( je früher man bucht umso günstiger), haben aber den Nachteil, daß man keine Waffen mitnehmen kann und nur 15 kg Freigepäck hat.Aus diesem Grund werden wir von unseren finnischen Jagdfreunden mit Waffen ausgerüstet und haben so auch keinerlei Probleme mit dem Zoll.
Nach weiteren 2,5 Stunden Zugfahrt erreichen wir Pieksämäki, wo wir von "unseren Finnen" empfangen werden.
Tipp: Bahnfahren ist in Finnland recht günstig und kann problemlos übers Internet gebucht und bezahlt werden. www.vr.fi
Nach weiteren 3 Stunden Autofahrt erreichen wir endlich um 2 Uhr nachts unsere Unterkunft nahe Kajaani. Das Jagdhaus des finnischen Jagdvereins ist eine recht komfortabele, ehemalige Forstarbeiterunterkunft mit Holzzentralheizung. Strom und fliesendes Wasser sucht man aber vergebens. Nach ein, zwei Begrüßungsbierchen geht´s zu Bett, da um 6 Uhr wieder geweckt wird.
Drückjagd auf Elche
Nach dem Frühstück trifft sich die ganze Jagdgesellschaft im Revier zur Begrüßung. Der Jagdleiter erklärt noch einmal die Sicherheitsbestimmungen und die Freigabe für das nächste Treiben. Alle Teilnehmer müssen signalfarbene Kopfbedeckungen und Westen tragen. Ein buntes Bild, das aber weder die einheimischen Jäger noch die Elche stört.
Elchhunde kommen nicht zum Einsatz. Nach dem Ansteigen der Wolfspopulation ist auch in unserem Gebiet ein kopfstarkes Wolfsrudel unterwegs. Mehr als 30 Hunde haben die Wölfe in diesem Gebiet bereits getötet. Also wird versucht mit einer starken Treiberwehr und viel Krach die Elche vor die Schützen zu bringen.
Nach einem Fußmarsch von 300 Metern durch sumpfiges Gelände erreiche ich meinen Drückjagdstand, der eigentlich nichts anderes ist, als eine Euro-Palette auf wackeligen Stelzen.Vor mir erstreckt sich ein 3ha großes Sumpfgebiet mit 1-2 mtr hohen Kiefern bestockt. Rundherum grenzen Kiefern- und Birkenwälder an.
Meine Waffe ist ein geliehener SAKO-Repetierer Kal. 300 Win Mag geladen mit 11,7 g Sako Hammerhead Geschossen. Dieses Kaliber wird von den einheimischen Jägern eigentlich für übertrieben stark eingestuft und eher zur Bärenjagd eingesetzt. Wichtigste Auswahlkriterien sind wohl Wildbretentwertung und Anschaffungspreis.Zum Einsatz kommen normalerweise Waffen im Kaliber 308 und 30-06 mit irgendwelchen Teilmantelgeschossen.
Nach einiger Wartezeit taucht plötzlich am nördlichen Waldrand in ca. 200 mtr Entfernung ein starker Elchbulle auf. Ein unvergesslicher Anblick und schon ist er im Wald verschwunden. Fast schon bin ich froh, daß die Schußentfernung zu groß war, als der Bulle aus dem Waldstück direkt auf mich zugerannt kommt. Meine Überlegungen, wie ich von meiner Position einen guten Schuß anbringen kann, erledigen sich von selbst, als der Elchbulle ca. 30 mtr vor meinem Stand abdreht und kurz verhofft. Schon ist der Schuß draußen und der Elch flüchtet ohne zu zeichnen in den angrenzenden Wald. Eigentlich bin ich mir sicher auf diese Entfernung den riesigen Wildkörper getroffen zu haben, doch die lange Wartezeit bis das Treiben beendet ist läßt in mir Zweifel aufkommen. Als endlich der Ansteller zurückkommt untersuchen wis gemeinsam den Anschuß. Weder Schweiß noch sonstige Pirschzeichen sind auf dem vermoosten Boden zu finden. Wir beschließen auf einen Hundeführer zu warten, als der erlösende Anruf kommt: Ein anderer Schütze konnte beobachten, wo der Elchbulle zusammenbrach und verendete. Noch über 80 mtr konnte der Elch mit perfektem Lungenschuß zurücklegen.
Schnell hat sich die Neuigkeit herumgesprochen und von allen Seiten kommen Treiber und Schützen, um mir zu " kratulieren ". Nach dem obligatorischen Erinnerungsfoto ( durch das hohe Gewicht von ca.300 kg verzichten wirauf eine weidgerechte Lagerung ) wird der Elchbulle sofort aufgebrochen.
Erst jetzt wird mir, daß wir 300 mtr von dem nächsten Forstweg entfernt sind. Mit einer Art Schlitten und viel Muskelkraft wird das erlegte Wild zur nächsten Forststraße gezogen und auf einen Anhänger verladen.
Am Jagdhaus angekommen wird der Elch sofort aus der Decke geschlagen und zum Auskühlen in das Schlachthaus gebracht.
Das anschliesende Schüsseltreiben wird wohl auch unvergessen bleiben. Zu Ehren der deutschen Jagdgäste wurde der Tisch festlich geschmückt indem man mit getrocknetem Moos und Preiselbeeren das 12 Ender Geweih des Elches nachbildete. Nach der Ansprache des Jagdvorstandes und meiner Dankesworte wurde es noch eine lange Nacht, wobei der gemeinsame Saunabesuch und das Bier am Lagerfeuer ( bei - 2° ) nicht fehlen durften.

Da die Drückjagden nur am Wochenende stattfinden, wollen wir an unserem letzten Jagdtag auf Auer- und Birkwild jagen. Noch vor Sonnenaufgang beziehen wir unsere Stände und mit den ersten Sonnenstrahlen kommen auch die Hähne. Gejagt wird mit großer Kugel auf die aufgebaumten Vögel.
Bild: Sepp mit seinem Birkhahn
An dieser Stelle einen herzlichen Dank und beste Grüße an unsere finnischen Jagdfreunde von Alwin, Sepp und Thomas.